Stundensatz berechnen: so bepreist du deine Arbeit
Die Methode, mit der du einen Stundensatz findest, der deine Kosten deckt und dir ein faires Einkommen bringt.
Viele Selbstständige legen ihren Stundensatz nach Gefühl fest oder orientieren sich an dem, was die Konkurrenz verlangt. Das Ergebnis ist oft ein Preis, der zwar Aufträge bringt, aber am Monatsende nicht reicht. Mit einer einfachen Rechnung findest du heraus, welchen Stundensatz du wirklich brauchst. Die Zahlen unten sind nur ein Beispiel: Setz deine eigenen ein.
Schritt 1: Dein Wunscheinkommen festlegen
Beginne mit dem, was du im Jahr für dich brauchst, also für Miete, Lebenshaltung, Rücklagen und Altersvorsorge. Als Angestellter bezahlt der Arbeitgeber einen Teil der Sozialversicherung, als Selbstständiger trägst du Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge und oft weitere Versicherungen selbst. Rechne diese Beträge mit ein. Beispiel: Du möchtest nach diesen Ausgaben 30.000 € im Jahr zum Leben haben und rechnest mit 12.000 € für Versicherungen und Vorsorge.
Schritt 2: Deine Betriebskosten zusammenrechnen
Liste alle Kosten auf, die durch deine Arbeit entstehen, auch die, die nur einmal im Jahr anfallen:
- Werkzeug, Maschinen, Computer und Software.
- Fahrzeug, Kraftstoff, Versicherung und Parken.
- Werkstatt, Büro oder Lager.
- Betriebshaftpflicht und andere betriebliche Versicherungen.
- Telefon, Internet, Website und Werbung.
- Steuerberatung, Buchhaltung, Kammer- oder Verbandsbeiträge.
- Weiterbildung.
Beispiel: 9.000 € im Jahr.
Schritt 3: Steuern einplanen
Auf deinen Gewinn zahlst du Einkommensteuer und je nach Tätigkeit weitere Steuern. Wie hoch sie ausfallen, hängt von deinem Einkommen und deiner Situation ab. Plane einen realistischen Anteil ein und lass ihn dir von deiner Steuerberatung bestätigen. Die Mehrwertsteuer gehört nicht in diese Rechnung: Sie kommt auf deinen Preis obendrauf und wird an das Finanzamt abgeführt, wenn du nicht unter die Kleinunternehmerregelung fällst. Beispiel: Du planst 8.000 € für Steuern ein.
Zusammen ergibt das im Beispiel einen Jahresbedarf von 59.000 €.
Schritt 4: Die abrechenbaren Stunden ermitteln
Das ist der Schritt, an dem die meisten zu optimistisch sind. Ein Jahr hat 52 Wochen, aber davon gehen Urlaub, Feiertage und Krankheitstage ab. Bleiben vielleicht 44 Arbeitswochen. Bei 40 Stunden pro Woche sind das 1.760 Stunden. Doch nicht jede Stunde ist bezahlte Arbeit beim Kunden: Angebote schreiben, Material einkaufen, fahren, telefonieren, Buchhaltung und Werbung kosten Zeit. Realistisch sind oft nur 60 bis 70 % abrechenbar. Im Beispiel rechnen wir mit 65 %, also rund 1.140 abrechenbaren Stunden im Jahr.
Schritt 5: Den Stundensatz ausrechnen
Teile den Jahresbedarf durch die abrechenbaren Stunden: 59.000 € geteilt durch 1.140 Stunden ergibt rund 52 € pro Stunde, netto. Das ist dein Mindeststundensatz, also der Preis, unter dem du auf Dauer Geld verlierst. Dazu kommt ein Puffer für Risiken, Auftragslücken und Investitionen, zum Beispiel 10 bis 15 %. So landest du im Beispiel bei etwa 57 bis 60 € netto pro Stunde, zuzüglich Mehrwertsteuer, wenn du sie ausweisen musst.
Schritt 6: Mit dem Markt abgleichen
Vergleiche dein Ergebnis mit dem, was in deiner Region und Branche üblich ist. Liegt dein Satz deutlich darüber, prüfe, ob du Kosten senken, mehr Stunden abrechnen oder dich auf Leistungen spezialisieren kannst, für die Kunden mehr zahlen. Liegt er darunter, hast du vermutlich Spielraum nach oben. Wer hochwertige Arbeit liefert, schnell antwortet und klare Angebote schreibt, kann sich vom billigsten Anbieter abheben.
Vom Stundensatz zum Angebot
Viele Kunden wollen keinen Stundensatz sehen, sondern einen Preis pro Leistung. Rechne deshalb intern mit Stunden und gib im Angebot Positionen mit Einheiten an: pro m², pro Stück, pro Einsatz oder pauschal. Schätze für jede Position die Zeit, multipliziere mit deinem Stundensatz und addiere das Material. Wie das in der Praxis aussieht, zeigen die Vorlagen für Elektriker, Webdesign oder Nachhilfe. Den Aufbau eines vollständigen Angebots erklärt der Ratgeber Angebot schreiben.
Regelmäßig überprüfen
Kosten, Steuern und Nachfrage ändern sich. Rechne deinen Stundensatz mindestens einmal im Jahr neu durch und passe deine Preise an. Bestandskunden informierst du rechtzeitig, neue Kunden bekommen gleich den aktuellen Preis. Deine nächsten Angebote erstellst du dann im Angebotsgenerator.
Häufige Fragen
Wie viele Stunden sind realistisch abrechenbar?
Oft nur 60 bis 70 % der Arbeitszeit, weil Angebote, Fahrten, Einkauf und Buchhaltung nicht bezahlt werden. Wer mit 100 % rechnet, setzt seinen Preis zu niedrig an.
Rechne ich mit oder ohne Mehrwertsteuer?
Kalkuliere netto. Die Mehrwertsteuer kommt auf den Preis obendrauf und gehört nicht dir. Als Kleinunternehmer weist du keine aus.
Soll ich im Angebot den Stundensatz zeigen?
Bei Reparaturen und Beratung ja. Bei klar umrissenen Leistungen sind Preise pro Einheit oder Pauschalen für Kunden oft leichter zu vergleichen.